VON DOROTHEA HOFFROGGE

Der Verein La Guinée Unie hat gestern anlässlich des 61. Unabhängigkeitstages von Guinea ins Stephanus-Gemeindezentrum eingeladen. Gekommen sind etwa 90 Menschen aus Guinea und 10 Deutsche von „Willkommen in Wermelskirchen“. Ousmani Diallo, der am vergangenen Mittwoch im Filmeck über seinen Fluchtweg berichtet hatte, hatte als Wermelskirchener Vertreter des Vereins das Fest maßgeblich organisiert.

Der Raum ist in den guineischen Landesfarben Rot, Gelb, Grün, geschmückt. Rot steht für das Blutvergießen in Kriegen und bei Kämpfen, Gelb für die Goldvorkommen und Grün für die wunderbare Natur des Landes.

Die Gäste sind festlich gekleidet. Bunte guineische  Kleider und traditionelle Kleidung mischen sich mit schwarzen Anzügen und „normalem“ europäischen Outfit.

Mit der Einladung zu einem köstlichen Buffet eröffnet die Vorsitzende des Vereins den Abend. Sie betont, dass der Verein gegründet wurde um dem Kontakt zwischen Deutschen und Menschen aus Guinea  einen offiziellen Rahmen zu geben. Sie möchten helfen, dass Menschen in ihrer neuen Heimat ankommen. Sie bedankt sich, dass der Verein die Räumlichkeiten nutzen darf.Nach dem Essen folgen Informationen über das mit Bodenschätzen -zwei Drittel des weltweiten Aluminumabbaus (Bauxit)- , Wasser und fruchtbaren  Boden gesegnete Land Guinea. Aber: Armut, ethnische Kämpfe, Korruption und willkürliche Gewaltherrschaft bestimmen das Leben der Bevölkerung.

Mamadou Sadjo Balde- Informatiker und 2. Vorsitzender von  La Guinée Unie- nennt die Hauptgründe deren wegen sich viele Menschen aus Guinea auf den gefährlichen Weg nach Europa begeben. Es seien die politische und ethnische Situation, Zwangsheirat, Exzision -Beschneidung der Frauen liegt bei 98% der weiblichen Bevölkerung-  und Homosexualität.  Dazu zeigt er entsetzliche Bilder von gewaltsamen Übergriffen der letzten Wochen auf die Zivilbevölkerung.

Er weist auf die Gefahren hin, die die Flüchtigen auf sich nehmen. Insbesondere das Mittelmeer ist eine Todesfalle. Es ertrinken in ihm täglich durchschnittlich vier Menschen. Balde sagt dazu: „Die Menschen haben nichts zu verlieren, sie werden sich auch in Zukunft immer auf den Weg machen.“

Es mutet in diesem Zusammenhang zynisch an, dass zwei Tage vorher mit 288 Stimmen für und 290 Gegenstimmen die EU-Abgeordneten eine Resolution ablehnten, die unter anderem mehr Rechte für Nichtregierungsorganisationen bei der Seenotrettung gefordert hatte.

Der Abend geht weiter mit einem liebevoll vorbereiteten Quiz, das Deutschen und Guineern jeweils Fragen zu dem anderen Land stellt. Danach folgt landestypischer Tanz.

Ich bin sehr dankbar, dass ich an diesem Fest teilnehmen durfte. Ich habe vieles gelernt.

Aber in mir bohren offene Fragen zu der Festung Europa, einem Europa, das wir als christliches Abendland bezeichnen.

Vorbereitungsteam